Das ICAP-Modell ordnet Aktivitäten in einer Lehrveranstaltigung in eine vier-stufige Hierarchie: Interactive, Constructive, Active und Passive. Die zentrale Annahme: Je höher die Stufe, desto größer der Lernerfolg.

Die vier Stufen und ihre Ausprägungen sind:
- P=Passive – reine Aufnahme, ohne sichtbare Beteiligung. Beispiel: Eine Vorlesung über die Grundlagen des Programmierens anhören, ohne mitzuschreiben.
- A=Active – einfache Interaktion mit dem Material, ohne neue Ideen. Beispiel: Code aus der Vorlesung abschreiben und ausführen.
- C=Constructive – neue Ideen oder Verbindungen erzeugen, die über das Gegebene hinausgehen. Beispiel: Eine eigene For-Schleife in Java programmieren und in den Kommentaren erklären, wie sie funktioniert.
- I=Interactive – gemeinsames, wechselseitiges Erarbeiten von neuem Wissen.
Beispiel: Zwei Studierende schreiben gemeinsam ein Programm, stellen sich gegenseitig Verständnisfragen und passen ihren Code entsprechend an.
Für die Praxis heißt das: Lehrende sollten Aufgaben so gestalten, dass sie konstruktives oder interaktives Verhalten fördern – etwa durch Problemstellungen, die neue Lösungen erfordern, oder durch strukturierte Partnerarbeit mit gegenseitigem Feedback.
Das Modell passt gut zum AVIVA-Modell zum Strukturieren einer Lehrveranstaltung (Städeli et al. 2010). Die mittleren Buchstaben I und V stehen hier für Informieren und Verarbeiten. In dem ICAP-Modell wird das “V” quasi ausdifferenziert zu A+C+I.
Und natürlich entspricht das Modell den Ideen des Active Learning, wo aktivierende Lehrmethoden studiert, diskutiert und implementiert werden, um das Lernen nachhaltiger zu gestalten.
Referenzen
Chi, M. T. H., & Wylie, R. (2014). The ICAP Framework: Linking Cognitive Engagement to Active Learning Outcomes. Educational Psychologist, 49(4), 219–243. https://doi.org/10.1080/00461520.2014.965823
Städeli, C., Grassi, A., Rhiner, K. & Obrist, W. (2010) Kompetenzorientiert unterrichten: das AVIVA-Modell, 1. Auflage, hep-verlag, Bern, ISBN 978-3-03905-459-6.